KI-Grundlagen · Level 5 von 5
KI und Datenschutz: Datensouveränität, EU AI Act und EU-Hosting
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Stand: Juni 2026. Dies ist Stufe 5 des Lernpfads KI-Grundlagen. Voraussetzung ist Stufe 4, KI im Arbeitsalltag.
Sobald du echte Daten in ein KI-Tool gibst, verlassen sie deinen Rechner und werden bei einem Anbieter verarbeitet. Wer am Ende Zugriff darauf hat, hängt davon ab, mit welcher Firma du den Vertrag schliesst, in welchem Land verarbeitet wird und welche weiteren Dienstleister mitarbeiten. Ein Server in der EU hilft, garantiert aber allein noch keine Rechtssicherheit.
Was passiert mit deinen Daten?
Datensouveränität bedeutet, dass du die Kontrolle darüber behältst, wer deine Daten unter welchem Recht verarbeitet. Bei KI-Tools ist das kein Randthema, denn jede Eingabe, jedes hochgeladene Dokument und jeder Kontext wird beim Anbieter zu Tokens verarbeitet. Für Organisationen im DACH-Raum entscheidet sich hier, ob ein Werkzeug überhaupt produktiv eingesetzt werden darf.
Wenn du Text in ein Cloud-KI-Tool eingibst, wird er an die Server des Anbieters übertragen, dort verarbeitet und in vielen Fällen für einen begrenzten Zeitraum gespeichert. Ob deine Eingaben zum Training künftiger Modelle verwendet werden, hängt vom Anbieter und vom gewählten Tarif ab. Für geschäftliche Nutzung ist das ein zentraler Vertragspunkt, kein Detail im Kleingedruckten.
Konkret heisst das: Bevor du personenbezogene oder vertrauliche Daten in ein Tool gibst, musst du wissen, was mit ihnen geschieht. Ein Selbsttest mit erfundenen Beispieldaten zeigt schnell, ob ein Werkzeug für den Ernstfall taugt.
Welche drei Fragen entscheiden?
Statt dich in Marketing-Versprechen zu verlieren, prüfe pro Tool drei nachprüfbare Punkte:
- Vertragspartei: Mit welcher juristischen Person schliesst du den Vertrag, und welchem Recht unterliegt sie?
- Verarbeitungsregion: In welchem Land oder welcher Region werden die Daten tatsächlich verarbeitet und gespeichert?
- Subprozessoren: Welche weiteren Dienstleister zieht der Anbieter hinzu, und wo sitzen diese?
Ein Auftragsverarbeitungsvertrag, kurz AVV, regelt diese Punkte verbindlich. Seriöse Anbieter stellen ihn bereit und führen ihre Subprozessoren, also die hinzugezogenen Dienstleister, öffentlich auf.
Für Fortgeschrittene: EU-/US-Zugriff auf Cloud-Daten
Eine physische Verarbeitung in der EU schützt nicht automatisch vor ausländischem Behördenzugriff. Steht der Anbieter unter US-Kontrolle, bleibt ein Zugriff nach US-Recht ein Prüfpunkt, auch wenn das Rechenzentrum in Europa steht. Für Drittland-Transfers braucht es eine geeignete Rechtsgrundlage, etwa Standardvertragsklauseln, und je nach Risiko zusätzliche technische Massnahmen wie Verschlüsselung. Welche Konstellation für dich gilt, hängt von Datenart und Anbieter ab und gehört in die Risikobewertung pro Anwendungsfall.
Was verlangen die EU-KI-Verordnung und das Datenschutzrecht?
Zwei Regelwerke greifen parallel. Das Datenschutzrecht, in der EU die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) und in der Schweiz das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG), schützt personenbezogene Daten. Die EU-KI-Verordnung (AI Act) regelt zusätzlich den Einsatz von KI-Systemen selbst und stuft sie nach Risiko ein, von minimalem Risiko bis zu verbotenen Praktiken.
Für die Praxis heisst das: Du klärst pro Anwendungsfall Zweck, Rechtsgrundlage und Risikoklasse, bevor produktiv Daten fliessen. Diese Einordnung ist keine einmalige Übung, sondern gehört bei jedem neuen Einsatz auf die Liste.
Für Fortgeschrittene: AI-Act-Risikostufen
Die KI-Verordnung unterscheidet mehrere Risikostufen, mit eigenen Pflichten je Stufe, und tritt in Phasen in Kraft. Welche Pflichten ab wann konkret für dich gelten, hängt von deiner Rolle (etwa Anbieter oder Betreiber) und der Risikoklasse ab und sollte gegen den jeweils aktuellen Originaltext geprüft werden. Verlasse dich für Fristen und Schwellenwerte nie auf Sekundärquellen, sondern auf den verabschiedeten Gesetzestext.
Cloud oder EU-Hosting: was tun?
Es gibt drei gangbare Wege, je nach Sensibilität der Daten:
- Grosse Cloud-Anbieter mit EU-Region und AVV: bequem und stark, mit den oben genannten Prüfpunkten zur Vertragspartei.
- Europäische Anbieter und Dienste mit Hosting in der EU oder der Schweiz: für E-Mail, Kalender und Dateien ist etwa Proton mit Schweizer Hosting eine Option.
- Selbst gehostete open-weight-Modelle: maximale Kontrolle, dafür eigener Betriebsaufwand. Sinnvoll bei besonders sensiblen Daten.
Keiner der Wege ist pauschal richtig. Die Wahl folgt der Datenklasse: je sensibler, desto mehr Kontrolle.
Vorher und nachher: Daten klassifizieren
Vorher: «Ich kopiere den Kundenvertrag schnell ins KI-Tool, damit es mir eine Zusammenfassung schreibt.» Personenbezogene und vertrauliche Daten landen unkontrolliert bei einem Anbieter, dessen Vertragspartei und Region du nie geprüft hast.
Nachher: «Ich stufe das Dokument zuerst ein. Vertrauliches anonymisiere ich oder nutze ein geprüftes Tool mit AVV und passender Region, Öffentliches darf in den normalen Cloud-Dienst.» Gleiches Tempo, aber ein Setup, das einer Prüfung standhält.
Grundbegriffe dazu
Lokal oder Cloud, offen oder proprietär: Was passt zu dir?
Typischer Irrtum: «Open-Source-Modelle sind gratis.»
Cloud kauft Tempo, lokal kauft Kontrolle. Wähle nach deinen Daten, nicht nach dem Hype.
Was darf in ein Cloud-KI-Tool, was nicht?
Typischer Irrtum: «Das ist doch nur ein Chat, das sieht ja niemand.»
Keine Personendaten und Geschäftsgeheimnisse ohne Rechtsgrundlage und Vertrag in die Cloud.
Was ist die EU-KI-Verordnung (AI Act)?
Typischer Irrtum: «Die EU-KI-Verordnung betrifft nur grosse Tech-Konzerne, nicht unser KMU.»
Nicht die KI ist reguliert, sondern wofür du sie einsetzt.